ziehen


ziehen
zie·hen; zog, hat / ist gezogen; [Vt/i] (hat) 1 jemand / etwas zieht (jemanden / etwas) jemand / etwas bewegt eine Person oder Sache, die hinter ihm / dahinter ist, in die gleiche Richtung, in die er / es sich bewegt <einen Schlitten, Karren ziehen>: Die Lokomotive zieht die Waggons; Du schiebst, und ich ziehe!
2 (jemanden / etwas irgendwohin / irgendwoher) ziehen jemanden / etwas besonders mit den Händen festhalten und in seine Richtung bewegen: Die Retter zogen den Verletzten aus dem brennenden Auto; Sie zog mit aller Kraft
3 (etwas) ziehen beim Kartenspielen eine Karte auf den Tisch legen bzw. bei anderen Spielen eine Spielfigur bewegen: das Ass, den Bauern ziehen
4 (etwas) ziehen schnell zur Waffe greifen <die Pistole, den Revolver, das Schwert ziehen>;
[Vt] 5 etwas ziehen einen Mechanismus durch Ziehen (2) betätigen <die Handbremse, die Notbremse ziehen>
6 etwas ziehen etwas befestigen und spannen <eine Schnur, eine Leine, einen Draht ziehen>
7 etwas ziehen eine Linie zeichnen <eine Linie, einen Strich, einen Kreis ziehen>
8 eine Mauer ziehen eine Mauer bauen: eine Mauer um den Garten ziehen
9 eine Pflanze ziehen eine kleine Pflanze pflegen, bis sie größer ist
10 Kerzen ziehen Kerzen herstellen
11 jemanden / etwas ziehen aus einer Menge von Zahlen, Karten o.Ä. eine (oder mehrere) herausnehmen und so einen Gewinner feststellen <die Lottozahlen, den Gewinner ziehen>
12 jemanden an etwas (Dat) ziehen jemanden irgendwo (fest)halten und dann ↑ziehen (1) <jemanden am Ärmel, an den Haaren ziehen>
13 etwas (aus / von etwas) ziehen etwas durch Ziehen (2) aus etwas nehmen <(jemandem) einen Zahn ziehen, den Nagel aus der Wand ziehen, den Korken aus der Flasche ziehen>
14 etwas auf sich (Akk) ziehen zum Mittelpunkt oder Ziel von etwas werden <jemandes Aufmerksamkeit, die Blicke, jemandes Wut auf sich ziehen>
15 etwas zieht etwas nach sich etwas hat etwas als Folge: Die Verletzung zog eine lange Behandlung nach sich
16 etwas über etwas (Akk) ziehen ein Kleidungsstück anziehen, sodass es über einem anderen ist: einen Pullover über das Hemd ziehen
17 ein Gesicht / eine Grimasse ziehen den Gesichtsausdruck (meist aus Ärger o.Ä.) stark verändern
18 etwas ziehen verwendet zusammen mit einem Subst., um ein Verb zu umschreiben; Lehren aus etwas ziehen aus etwas lernen; Schlüsse aus etwas ziehen etwas aus etwas ↑schließen2 (1); einen Vergleich ziehen zwei oder mehrere Dinge miteinander vergleichen; etwas in Zweifel ziehen etwas bezweifeln;
[Vi] 19 irgendwohin ziehen (ist) seinen Wohnsitz an einen anderen Ort verlegen <in die Stadt, aufs Land, nach Stuttgart ziehen>
20 irgendwohin ziehen (ist) sich (besonders in einer Gruppe) irgendwohin begeben: Junge Handwerker zogen früher oft durchs Land; Die Demonstranten zogen vors / zum Rathaus; Die Vögel ziehen im Herbst nach Süden
21 an jemandem / etwas ziehen (hat) versuchen, jemanden / etwas in seine Richtung zu bewegen: Der Hund zog an der Leine
22 an etwas (Dat) ziehen (hat) Rauch oder Flüssigkeit aufnehmen ≈ an etwas (Dat) saugen <an einer Zigarette, an einem Strohhalm ziehen>
23 etwas zieht irgendwohin (ist) etwas bewegt sich irgendwohin: Der Rauch / der Gestank zieht ins Wohnzimmer
24 meist etwas zieht gut / schlecht (hat) etwas hat genug/ nicht genug Luft zum Brennen <der Ofen, der Kamin zieht gut / schlecht; die Pfeife zieht nicht (= hat nicht den nötigen Zug und funktioniert nicht richtig)>
25 etwas zieht gut / schlecht (hat) etwas hat viel Kraft (etwas funktioniert gut / schlecht) <das Auto zieht gut / schlecht; der Motor zieht nicht (= funktioniert nicht richtig)>
26 meist den Tee ziehen lassen (hat) den Tee in heißem Wasser lassen, bis die Wirkstoffe im Wasser sind: Der Tee muss noch ziehen
27 etwas zieht (hat) etwas hat den gewünschten Erfolg <eine Masche, ein Trick>: Komplimente ziehen bei mir nicht
|| NB: meist verneint;
[Vr] (hat) 28 etwas zieht sich etwas dauert sehr lange oder dehnt sich über eine lange Strecke: Die Rede zieht sich vielleicht (= ist sehr lang)!;
[Vimp] (hat) 29 es zieht kalte Luft strömt durch oder in einen Raum, sodass es unangenehm ist: Bitte mach das Fenster zu, es zieht!
30 jemandem zieht es irgendwo jemand hat an einem bestimmten Körperteil Schmerzen <jemandem zieht es im Rücken, im Kreuz>
31 jemanden zieht es irgendwohin jemand möchte gerne an einem bestimmten Ort wohnen oder dorthin gehen

Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. 2013.

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  • Ziehen — Ziehen, verb. irregul. ich ziehe, du ziehest, er ziehet, oder zieht, (Oberd. du zeuchst, er zeucht,) Conj. daß ich ziehe u.s.f. Imperf. ich zog, Conj. zöge; Particip. gezogen; Imperat. ziehe, oder zieh, (Oberd. zeuch.) Es ist in einer dreyfachen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Ziehen — Ziehen, in der Metallbearbeitung eine Reihe von Verfahren, bei denen das Material durch Matrizen hindurchgezogen wird. a) Ziehen von Blechen zwecks Herstellung von Hohlkörpern. Als Werkzeuge dienen hierfür zunächst Ziehstempel und Matrize. Da… …   Lexikon der gesamten Technik

  • ziehen — ziehen: Das altgerm. Verb mhd. ziehen, ahd. ziohan, got. tiuhan, aengl. tēon (vgl. aisl. togenn »gezogen«) gehört zu einer idg. Wurzel *deuk »ziehen«; vgl. aus anderen idg. Sprachen z. B. lat. ducere »ziehen, führen« (s. die Fremdwortgruppe um ↑ …   Das Herkunftswörterbuch

  • ziehen — V. (Grundstufe) etw. hinter sich fortbewegen Beispiel: Das Pferd zieht einen Wagen. Kollokation: den Tisch ans Fenster ziehen ziehen V. (Aufbaustufe) als Luftzug zu verspüren sein Beispiel: Im Korridor zieht es heftig. ziehen V. (Aufbaustufe)… …   Extremes Deutsch

  • Ziehen — ist der Familienname folgender Personen: Conrad Siegmund Ziehen (1727 1780), deutscher Theologe Eduard Ziehen (Schriftsteller) (1819 1884), Pseudonym Eduard Ellersberg, deutscher Schriftsteller Eduard Ziehen (Historiker), (1896 1945), Enkel des… …   Deutsch Wikipedia

  • ziehen — Vst. std. (8. Jh.), mhd. ziehen, ahd. ziohan, as. tiohan, andfrk. tian Stammwort. Aus g. * teuh a Vst. ziehen , auch in gt. tiuhan, ae. tēon, afr. tiā; anord. noch in togenn PPrät. Dieses aus ig. (eur.) * deuk ziehen , auch in l. dūcere führen,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • ziehen — ziehen, zieht, zog, hat gezogen/ ist gezogen 1. Sie müssen ziehen, nicht drücken. 2. Wir müssen den Zahn leider ziehen. 3. Wir sind vor drei Wochen nach Hamburg gezogen. 4. Machen Sie bitte die Tür zu, es zieht …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • Ziehen [1] — Ziehen, 1) so v.w. Raufen, s.u. Flachs I. A); 2) Z. des Billards, s.u. Billard I.; 3) Z. der Kohlen, s.u. Kohlenbrennen; 4) ein Feuergewehr mit Zügen versehen, vgl. Gewehrfabrik I. A); 5) beim Härten des Stahles, Erkalten von Gußstücken,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ziehen [2] — Ziehen, Konrad Sigismund, geb. 1727, war Anfangs Lehrer an der Schule in Hannover, wurde 1756 Feldprediger bei dem Garderegiment der hannöverischen Truppen, 1759 Capellan bei der Neustädter Kirche in Hannover, 1761 Superintendent in Minden u.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ziehen [1] — Ziehen, im Handel soviel wie trassieren; Ziehung, soviel wie Tratte (s. Wechsel). Zieher, bei dem Prämiengeschäft der Empfänger der Prämie …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ziehen [2] — Ziehen, Theodor, Mediziner, geb. 12. Nov. 1862 in Frankfurt a. M., studierte in Würzburg und Berlin, wurde 1885 Assistenzarzt bei Kahlbaum in Görlitz, dann bei Binswanger in Jena, habilitierte sich daselbst 1887 als Privatdozent, wurde 1892… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon